Corona-Reise im Juni

Was macht man, wenn man 1 Woche Zeit hat, weil sich auf der Arbeit ein Projekt verzögert? Jenau, Mopedfahren.

Die Frage in Corona-Zeiten stellte sich schon: Wohin des Weges?

Deutschland ist ja auch schön, also warum mal nicht eine kleine Rundfahrt durchs eigene Land?

Als Mitglied im BVDM kann man kostenlos an der „Tourenzielfahrt“ teilnehmen.
Die Idee: einfach ein paar der Poi´s anzufahren und so eine Route über das Sauerland, Hessen, Thüringen, Bayern bis ins Allgäu erstellen.

Aus der Planung wurden ca. 1000km kleinste Landstraßen, erst in Richtung Osten um dann einen Bogen nach Süden zu schlagen.

Die ausgewählten Zielpunkte waren bunt gemischt: Bäume (Tanzlinden in den Dörfern), Denkmäler oder einfach eine Burg.

Kreisverkehr in Meinerzhagen

Der Start – Tag 1: von zu Hause nach Knüllwald in Hessen

An einem Samstag startete ich ziemlich früh mit den ersten Zielen der Tourenzielfahrt, in diesem Fall Krombach im Sauerland. Die geforderte „Buche“ fand ich allerdings nicht. Egal, es gibt ja schon Punkte für das Ortsschild….

 

 

 

 

Weiter ging es nach Netphen zum dortigen Wildschwein auf dem Fahrrad. Leider regnete es ab Krombach und hörte erst in Hessen wieder auf!

 

Die Fahrt führte mich dann auch durch Marburg. An einer Ampel sah ich durch Zufall das Schild „Schloß“ und bog spontan ab. Die Zeit war da und ich hatte noch etwas Wegzehrung im Tankrucksack. So verbrachte ich meine Mittagspause auf dem Berg des Marburger Schlosses.

Auf meinem weiteren Weg fand ich dann noch einen Aussichtsturm, der mir einen weiten Blick über das nördliche Hessen bot:

Die erste Unterkunft hatte ich für Knüllwald in Hessen geplant. Auf dem Weg dorthin suchte ich noch die Dorflinde von Himmelsberg. Dieser Baum ist mehr als 1000 Jahre alt und ein echter Hingucker!
Eine kurze, nette Unterhaltung mit einem schlaganfallgeplagten, ehemaligen Fahrlehrer rundete diesen wirklich schönen Nachmittag ab.

Der Schock erwartete mich dann mit Ankunft am gebuchten Hotel. Da hatte ich wohl nicht aufgepasst. Es handelte sich um ein Motel, eine Araltankstelle mit Zimmern, von aussen eher Abschreckend. Essen gab es dank Corona nur eingeschränkt… so endete mein erster Tag mit einer abgeholten Pizza und einer Flasche Bier aus dem Tankstellenshop im beengten, warmen, nicht zu lüftendem Zimmer, weil direkt vor dem Fenster ein paar Kinder sich in einem kleinen Pool austobten.
Aber es war sauber und ich wollte ja nur ein Bett, und das Frühstück war wirklich ok!

Tag 2 – Von Knüllwald nach Burgkunstadt in Franken

Bedeckt, aber trocken ging es in Richtung Thüringen über Bad Hersfeld. Hier war ich zuletzt 1990-91, als ich noch als Schreiner viele, viele Arztpraxen in der ehemaligen DDR einrichtete. Und eines vorneweg: Ich habe NICHTS wiedererkannt! Ich habe nicht mal die ehemalige Grenze gefunden…
Die Ziele für diesen Tag waren wieder eine Tanzlinde, dieses mal in Schenklenksfeld, das Besucherbergwerk in Merkers sowie Coburg.

Die Tanzlinde war kurz nach dem Start gefunden und weiter ging es nach Osten. Der Regen begann und hörte lange nicht auf.

Vorbei an den Kalihalden von Thüringen direkt zum Besucherbergwerk. Hier noch schnell das obligatorische Foto (im Regen) und weiter.

 

Immer an der Werra entlang an der ehemaligen Grenze führte mich der Weg nach Bayern. Ein kurzer Abstecher in den Thüringer Wald und eine echte Bratwurst!

Den Wachturm von Rappershausen besuchte ich durch Zufall. Wieder stand ein Hinweisschild „Deutsch-Deutsches Freilandmuseum“ und führte mich zu diesem ehemaligen Grenzort.

Kurz danach fand ich wieder ein Zeugnis unserer Vergangenheit, Reste einer Grenzanlage.

1989 war ich im Herbst, kurz vor dem Mauerfall, in der Nähe von Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, Verwandte meiner damaligen Freundin besuchen. Ich werde nie das Gefühl an der Grenze vergessen. Mulmig, immer die Frage im Nacken „Was finden sie wohl? Haben wir alles korrekt ausgefüllt?“ und vieles mehr. Das Verlassen der DDR war ja noch aufregender. Im Herbst wusste niemand, ob die Demos dort nicht in einem Bürgerkrieg enden. Daher war die Erleichterung beim Verlassen der DDR deutlich spürbar.
Nun stand ich hier und betrachtete mir diese jämmerlichen Überreste einer Anlage, die uns damals richtig Angst eingejagt hat!
Gut, daß es sowas in unserem Europa nicht mehr gibt! Manch einen Vollspacken, der heute von „Deutschland den Deutschen“ schwafelt, sollte man einmal dort hinstellen und in Ruhe darüber nachdenken lassen….

An der Rhön ging es bis nach Burgkunstadt. Bei der Ortsdurchfahrt dachte ich mal kurz den Fußweg in den Ort einzusparen, da alles gesehen. Oh, wie habe ich mich da vertan. Nach dem hervorragenden Essen (Fränkische Schäufele) brauchte ich einen Verdauungsspaziergang.
Ein kleiner Hinweis in die Oberstadt und ich stand mitten zwischen fantastischen Fachwerkhäusern!

Kaum zurück im Hotel begann ein sturzflutartiger Regen, der bis zum nächsten Morgen anhiehlt. Das Ergebnis waren Überschwemmungen in Franken und Thüringen, die an ein Endzeitszenario erinnerten.

Tag 4 – Von Burgkunstadt in Franken nach Zwiesel im Bayrischen Wald

Die Straßen waren mit Matsch und Schlamm, aber auch Kies und Geröll überschwemmt, es war höchste Vorsicht beim Fahren geboten. Die ausgewählten Routen waren aber durchweg klasse, Landschaftlich sowie die Qualität der Straßen.

Ein kleiner Abstecher zur Tschechischen Grenze um einen weiteren Punkt der Tourenzielfahrt anzupeilen: Der Grenzlandturm in Bärnau. Das war eben das schöne an den anzufahrenden Punkten: da würde man normalerweise nicht hinfahren! Der Blick über den Bömer Wald war wunderschön, auch das Wetter spielte mittlerweile mit!

Auf dem Weg nach Zwiesel fand ich zwischendurch wundersames, aber auch schöne, bayrische Dinge zu sehen:

Die Veste Coburg stand auch noch  auf meinem Tourenplan:

Zwiesel ist bekannt durch seine Gläsermanufakturen und der dort ansässigen Glasfachschule.

Und leckere Dinge gabs dann abends im Hotel auch noch:

Tag 4 – Von Zwiesel nach Werfen / Österreich

Auf dem Weg nach Süden sollte ich das drei-Flüsse-Eck in Passau fotografieren. Dank Hochwasser kam ich nicht mal zum Punkt.

Über den Zipfel von Österreich fuhr ich über kleinste Straßen zurück nach Bayern. Vorbei an Mattighofen und Ried im Innkreis immer in Richtung Salzburg, um dann über Tiefengraben zur Kugelmühle nach Marktschellenberg zu fahren. Den Ort zu finden war natürlich einfach, aber bis zur Kugelmühle kam ich nicht. Der Zuweg und der gesamte Bereich war dermaßen von Touristen überlaufen, daß ich mir weiteres sparte und nach Österreich zurück fuhr.

In einem Ortsteil von Werfen, Laubichl,  fand ich eine schöne Frühstückspension, die Sonneck-Frühstückspension. Sehr freundlich wurde ich empfangen!

Der Weg dorthin war sehenswert, Österreich ist einfach schön!


Tag 5 – Von Laubichl zum Weissensee

Über die Nockalm sollte es gehen. Der Tag startete mal wieder mit Regen und nassen Straßen, aber es blieb später wenigstens Trocken!


Nach der Mautstelle auf die Nockalm-Alpenstraße besuchte ich zuallererst ein Kaffee.

 

Immer weiter ging es in Richtung Drautal. Die letzten Jahre waren wir ja immer irgendwo hier in der Gegend, einfach schön!


Ein Abstecher ins Gailtal und über Hermagor zum Hotel Moser am Weissensee.

Tag 6 – Südtirol und Osttirol

Eine Tagestour sollte es werden. Bei schönstem Wetter startete ich vom Weissensee ins Drautal, dann über die Gailberghöhe nach Kötschach, um dann über das Lesachtal nach Innichen in Südtirol zu fahren.

Geplant war die kleine Runde um die drei Zinnen und über Toblach zum Staller Sattel zu fahren. Abwechselnd Regen und Sonne, war es eher durchwachsen. Aber was für eine Landschaft!


Mit Michael, Chefe von den Mimotos war ein Treffen am Staller Sattel geplant, da er aus dem Allgäu über den Brenner anreiste. Schlechte Timing und noch schlechteres Wetter trieben mich dann aber vorzeitig zurück ins Hotel.

Tag 7 – Friaul mit den Mimotos

Wir fuhren zu dritt vom Hotel Moser am Weissensee über das Drautal, die Gailberghöhe und den Plöckenpass nach Italien. Am Monte Zonkolan mußten wir umdrehen, da er gesperrt war. Gewitter und schwarze Wolken liessen uns die Strecke umplanen. Zurück in Palluza wollten wir den Passo di Lanza in Angriff nehmen, aber der war gesperrt. Also zurück und über Tolmezzo nach Pontebba und von dort über das Nassfeld zurück nach Österreich.

Aber Nassfeld in strömenden Regen war jetzt schon das zweite Jahr in Folge, brauche ich nicht mehr!

Ein super Abend in wirklich netter Gesellschaft rundete den Tag dann doch noch ab!

Tag 8 – Die Heimfahrt

Das war ein Gewaltmarsch! Über die Felbertauern durch den Tunnel auf die Autobahn auf deutscher Seite bis Bad Orb. Dort hatte ich die letzte Unterkunft. 720km, davon 450 im Regen!

Fazit:

Ja, man kann zu Corona-Zeiten reisen. Die Einschränkungen waren spürbar, aber nicht störend. Es war eine tolle Woche mit ca. 2300 gefahrenen Kilometern.
Und ja, mit den Mimotos kann man richtig viel Spaß haben!! Danke fürs Kennenlernen!

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